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Schafe

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Früher gab es grosse Schafherden, die von ausgebildeten Schäfern in den Sommermonaten über weite Strecken gehütet wurden. Diese Haltungsform gibt es auch heutzutage noch, aber immer häufiger findet man auch kleinere Herde auf Standweiden.

Sei es, dass man ein schwer zugängliches Grundstück nicht mehr mähen möchte, das Fleisch als Nischenprodukt für die Vermarktung gedacht ist oder einfach nur die Freude an den sanften Tieren der Beweggrund für die Anschaffung war. Oft birgt die mangelnde Fachkenntnis der neuen Hobbyschäfer unaussprechliches Leid für die Tiere.

 

Das Tierschutzgesetz sagt im §2:

Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen

2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,

3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Das bedeutet ganz klar, dass zuerst die Information und Ausbildung, danach die Bereitung von Ställen und Weiden und erst dann die Anschaffung der Tiere stehen darf.

Diese Ausbildung kann bei den Landeszuchtverbänden in ausgewiesenen Seminaren erfolgen oder vor Ort durch erfahrene Schäfer.

Jeder Schäfer, dem etwas an seinen Tieren liegt, wird gerne bereit sein vor und auch nach dem Verkauf der Tiere dem neuen Besitzer mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Gerade wenn es um die ein- bis zweimal jährliche Schur geht, wird man diese Hilfe brauchen. Aber auch bei der Pflege der Klauen, der Parasitenbekämpfung und der Lämmeraufzucht wird es anfangs nicht ohne den Experten gehen.

Die Bedingungen für die Schafhaltung gibt der Gesetzgeber in der Tierschutz-/ Nutztierhaltungsverordnung vor.

 

Der §3 bestimmt die allgemeinen Anforderungen an die Haltungseinrichtungen.

Unter Punkt 2 steht:

Haltungseinrichtungen müssen

1. nach ihrer Bauweise, den verwendeten Materialien und ihrem Zustand so beschaffen sein, dass eine Verletzung oder sonstige Gefährdung der Gesundheit der Tiere so sicher ausgeschlossen ist, wie dies nach dem Stand der Technik möglich ist;

2. mit Fütterungs- und Tränkeinrichtungen ausgestattet sein, die so beschaffen und angeordnet sind, dass jedem Tier Zugang zu einer ausreichenden Menge Futter und Wasser gewährt wird und dass Verunreinigungen des Futters und des Wassers sowie Auseinandersetzungen zwischen den Tieren auf ein Mindestmass begrenzt werden;

3. so ausgestattet sein, dass den Tieren, soweit für den Erhalt der Gesundheit erforderlich, ausreichend Schutz vor widrigen Witterungseinflüssen geboten wird und die Tiere, soweit möglich, vor Beutegreifern geschützt werden.

 

§4 bestimmt die Anforderungen an Überwachung, Fütterung und Pflege

Wer Nutztiere hält, hat sicherzustellen, dass

1. ...

2. das Befinden der Tiere mindestens einmal täglich durch direkte Inaugenscheinnahme von einer für die Fütterung und Pflege verantwortlichen Person überprüft wird.

3. soweit erforderlich, unverzüglich Massnahmen für die Behandlung, Absonderung in geeignete Haltungseinrichtungen mit trockener und weicher Einstreu oder Unterlage oder die Tötung Kranker oder verletzter Tiere ergriffen werden, sowie ein Tierarzt hinzugezogen wird;

10. die Haltungseinrichtung sauber gehalten wird, insbesondere Ausscheidungen so oft wie nötig entfernt werden und Gebäudeteile, Ausrüstungen und Geräte, mit denen die Tiere in Berührung kommen, in angemessenen Abständen gereinigt und erforderlichenfalls desinfiziert werden.

 

 

Grundvoraussetzungen

De facto bedeutet diese Gesetzeslage folgendes:

Schafe brauchen keinen geschlossenen Stall, aber es muss ein sauberer, trockener Unterstand jederzeit erreichbar sein, der gross genug ist, dass sich jedes Tier bequem ablegen kann. Für ein Muttertier mit Lämmern kann man dafür etwa 3m² rechnen.

Für den Notfall muss aber ein separater Stall bereit sein.

Das Grundfutter (also Heu oder gutes Futterstroh) darf nicht einfach auf den Boden geworfen werden, sondern muss in einer Raufe angeboten werden, die allen Tieren zugänglich ist. Pro Tier ist dabei eine Fressplatzbreite von 30cm zu rechnen.

Das Kraftfutter ist dem Bedarf des Tieres anzupassen. Besonders Muttertiere mit Lämmern müssen zugefüttert werden.

Die Wasserversorgung muss sauber und frostfrei jederzeit gewährleistet sein.

Die gesamte Anlage muss stets kontrolliert und gewartet werden. Verletzungsquellen (lose liegender Stacheldraht, Plastiktüten, Heubänder, defekte Bretter...) sind unverzüglich zu beseitigen.

Es reicht nicht aus, die Schafe sporadisch zu versorgen, sondern die tägliche Begutachtung der Herde ist ein Muss!

 

 

Klauenpflege

Ein wichtiger Aspekt ist die Klauenpflege. Je nach Weidebeschaffenheit und Futter kann sie alle 4-8 Wochen nötig sein.

Man setzt dazu die Tiere vor sich auf den Po. In dieser Stellung verharren die Tiere ruhig und man kann problemlos alle 4 Füße kontrollieren.

Klauenerkrankungen sind keine Schaf- sondern eine Schäferkrankheit. Sie beruhen meist auf einer mangelhaften Fürsorge.

Auf den weichen Wiesen nutzt sich der Tragrand der Klauen nicht ab und wächst über die weichere Laufsohle. Teilweise bilden sich regelrechte Schnäbel und Deformationen, die die Tiere am schmerzfreien Laufen hindern. Oft kommt es auch zu Hornspalten. Dabei löst sich die Hornwand von der Klaue ab, es entstehen regelrechte Taschen, in die sich Dreck festsetzen und zu Entzündungen führen kann.

Davon betroffene Tiere sind in kürzeren Zeitabständen zu behandeln. Der Tragrand muss auf die Höhe der Laufsohle gekürzt werden, loses Horn muss entfernt werden. Eventuelle Entzündungen sind unbedingt zu bebändern, betroffene Tiere sind von der Herde zu trennen, da diese infektiösen Klauenerkrankungen ansteckend sind.

 

Parasiten

Ein besonderes Problem bei Schafen sind die Parasiten. Zum einen der innere Befall mit Würmern, zum anderen aber auch durch Außenparasiten, z.B. Milben, Läuse oder Fliegenmaden.

Bei den Innenparasiten, die oft zuerst durch Abmagerung und schlechte Wollqualität auffallen, hilft schon ein geschicktes Weidemanagement kombiniert mit einer gezielten Behandlung.

Die Weiden sollten in ihrer Grösse der Zahl der Tiere entsprechen. 10 Muttertiere mit Nachzucht brauchen etwa 10.000m2, wenn man auch das Winterfutter selbst herstellen möchte. Unterteilt in mehrere Parzellen hat jeder Weideteil die Möglichkeit sich zu regenerieren und nachzuwachsen.

Vor dem Weidewechsel sammelt man eine kleine Menge Kot und schickt sie zur Untersuchung in ein Labor (Adressen sind über dir Tierärzte zu erfragen). Dort wird analysiert welche Wurmart vorkommt und welches Mittel in dem Fall am besten wirkt.

Im Idealfall kann man alle Tiere einstallen und dann mit dem empfohlenen Mittel behandeln. Etwa 24 Stunden später werden die Tiere auf die neue Weide verbracht, der Stall wird sorgfältig gemistet und desinfiziert.

Wenn man auf der Weide behandeln musste, gilt diese jetzt als „verseucht". Man lässt sie ruhen und nutzt sie einmal zur Heugewinnung, bevor man wieder Weidetiere dort hinstellt.

Wenn man dieses Verfahren konsequent durchsetzt kommt man nach einiger Zeit oft mit einer Entwurmung im Jahr aus. Trotzdem sollte man die relativ geringen Kosten für die Laboruntersuchung nicht scheuen und auch nach mehrmaligen freien Ergebnissen Kotproben einschicken.

Ein weiteres Problem könne die Außenparasiten sein. Gerade in den Sommermonaten muss man darauf achten.

Infizierte, aber noch symptomfreie Tiere können die gesamte Herde anstecken. Deshalb ist es besonders beim Kauf neuer Tiere wichtig eine Quarantänezeit von etwa 4 Wochen einzuhalten. Erst danach kann man sicher sein, dass die Tiere wirklich gesund sind und sie dann zur Herde bringen.

Außenparasiten bemerkt man zuerst am Verhalten der Tiere. Die Tiere leiden unter Juckreiz und scheuem sich oft das Fell ab. Sie wirken unruhig und nehmen vermindert Futter auf. Nach einer Diagnose durch den Tierarzt können die Tiere mit Aufguss- oder Badetherapien behandelt werden.

 

 

Fazit

Die Versorgung der Schafe ist umfangreich und vielschichtig. Sie erfordert viel Zeit und Umsicht. Keinesfalls sind die Tiere einfach 4-beinige Rasenmäher die eine Menge Arbeit ersparen. Deshalb sollten die Tiere erst nach reiflicher Überlegung angeschafft werden.

Wenn man sich doch dafür entscheidet, braucht man zwar anfangs fachkundige Hilfe bekommt aber unglaublich viel Zutrauen und Entspannung von den Tieren zurück.

Nicola Berg

 

Tierschutzverein für Hilchenbach und Umgebung e.V.

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